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Projektrisikolandkarte

Eine Projektrisikolandkarte ist ein Abhängigkeitsdiagramm der Risiken und der Risikofaktoren eines Projekts. Die Projektmitarbeiter zählen zunächst diejenigen Risiken und Risikofaktoren auf, die ihnen in den Sinn kommen. Das könnte z.B. bei einem Lieferanten so aussehen.

Wir überlegen uns, wie wir gerade auf diese Risiken kommen, was genau unsere Befürchtungen sind. Dabei könnte z.B. heraus kommen, dass wir nur mässiges Vertrauen in die eingesetzten Third-Party-Produkte haben. Falls sich diese Befürchtungen in den Acceptancetests bewahrheiten, wird der Kunde darauf bestehen, dass wir nachträglich die fehlenden oder fehlerhaft laufenden Funktionen irgendwie ausbessern. Das würde zu Mehrarbeit führen, die sich negativ auf Kosten und Termine auswirken. Verspätet sich das Projekt, werden die Ressourcen eventuell vor unterdessen neu gestarteten Projekten abgezogen, was sich zusätzlich negativ auf dem Endtermin auswirken wird.

Also passen wir die Landkarte wie folgt an  und stellen fest, dass der Faktor "Produktefehler" nicht ein Risiko an sich, sondern ein Risikofaktor ist. Ein Risikofaktor besteht schon dem Projektstart und kann grundsätzlich nicht beeinflusst werden. Wir müssen das Projekt auf der Basis bestehender Risikofaktoren durchführen.

Es wäre aber sehr hilfreich, wenn wir die Risikofaktoren und ihre Masse so früh als möglich kennen. Im Beispiel heisst das, dass wir einerseits versuchen, die Factory Tests zu beschaffen und sie mit den Projektanforderungen zu vergleichen. Andererseits könnten wir versuchen, parallel zu der geplanten Projektarbeit sofort interne Produktetests durchzuführen.

Sollte sich herausstellen, dass die Produkte die Anforderungen tatsächlich nicht erfüllen, muss zunächst intern eskaliert und das Projekt in einer zweiten Runde mit dem Kunden besprochen werden. Er wird zwar kaum bereit sein, mehr zu bezahlen, wird sich aber wohl oder übel auf eine Terminverschiebung einlassen müssen.

 

Die frühzeitige Alarmierung gibt dem Kunden und der internen Ressourcendisposition die Möglichkeit, neu zu planen, so dass die Faktoren "Termin kann nicht gehalten werden" und "andere Projekte werden wichtiger" obsolet werden. Die Revision der internen Projektdisposition wirkt sich also terminaufschiebend aus, was mit dem Minuszeichen beim Pfeil zum Risiko "Projekt hat Verspätung" angedeutet ist. 

Das Diagramm wird auf diese Weise immer grösser und umfangreicher. Es muss während des ganzen Projekts unterhalten werden. Die Risikolandkarte ist kein System Dynamics Diagramm! Die Pfeile haben nicht die Bedeutung einer mathematischen Abhängigkeit, sondern einer Wenn-dann-Beziehung. "Wenn es tatsächlich Produktefehler gibt, dann müssen wir dies möglichst frühzeitig wissen". Somit kann die Risikolandkarte keine zeitlichen Abhängigkeiten widergeben. Daher ist von Fall zu Fall zu überlegen, ob die Risikolandkarte in ein dynamisches Modell migriert werden soll.