Schlagwort-Archive: Pfadabhängigkeiten

Intuitiv-reflektives Projektmanagement basiert auf Achtsamkeit

In meinen Projekten beschäftigen mich insbesondere folgende Probleme, die Auslöser von Turbulenzen und Unvorhergesehenem sind:

  • unangemessene oder unflexible Verhaltensweise der Projekt-Stakeholders
  • einseitige Erwartungen und Befürchtungen, vor allem kunden- und lieferantenseitig
  • divergente Arbeits- und Denkstile bei Kunden und Lieferanten
  • divergente Geschäftsprozesse zwischen Kunden und Lieferanten
  • betriebliche und persönliche Veränderungen
  • unpassender Projektkontext
  • Kompetenzdefizite
  • Ressourcendefizite
  • Planungs- und Konzeptionsfehler

Einige dieser Probleme werden weder durch klassisches Projektmanagement, noch durch alternative Projektmanagementmethoden, wie z.B. agiles PM, adressiert. Auch die bekannten Architekturen und Konzepte, wie z.B. PRINCE2 oder Hermes, helfen nur teilweise.

Mögliche Ursachen habe ich in der folgenden Tabelle identifiziert. Ausweg bietet erhöhte Achtsamkeit auf:

  • Wahrnehmungslücken und Hypothesenbildung
  • Fern- und Nebenwirkungen von Entscheidungen
  • Fehler und Beinahe-Fehler
  • Vereinfachende Erklärungen und Interpretationen
  • Lücken und Ungereimtheiten in Abwicklungen und Prozessen
  • Flexible Adaption von neuem Wissen

(Zum Vergrössern der Tabelle darauf klicken)

Das Dilemma zwischen Geschäftemachen und Verhungern

Komplexität führt zu Pfadabhängigkeiten. Je grösser die Komplexität eines Systems, desto mehr mögliche Zustände hat es und desto mehr Entwicklungspfade gibt es. Wenn sich ein System einmal auf einem Misserfolgspfad befindet, kann auch der beste Manager diese Entwicklung nur begleiten, bis entweder der Pfad zu einer Verzweigung kommt, wo der Manager dann wieder Eingriffsmöglichkeiten hat, oder das System zusammenbricht.

Den Misserfolgspfad eingeschlagen hat das System aber aufgrund einer Fehlentscheidung, die vielleicht ein anderer als der beste Manager gefällt hat. Die Entscheidung schien der damaligen Situation und den damaligen Bedürfnissen angemessen gewesen zu sein, hat das System aber langfristig auf einen Misserfolgskurs geworfen, der nicht mehr korrigierbar ist. Das meine ich, wenn ich fordere, dass in einer hochkomplexen Welt nicht aus einer lokalen und momentanten Sicht heraus entschieden werden darf. Wir brauchen nicht mehr so schnell zu entscheiden, wie unsere Vorfahren, die sich in eine Gefahrensituation gebracht haben. Die Entscheidungen in der heutigen Welt wirken viel längerfristig, dafür langsamer.

Natürlich will man das nicht hören. Ein guter Manager oder Politiker führt ein System eben vom Misserfolgspfad weg zum Erfolg. Beispielsweise wird von einem guten Projektmanager erwartet, dass er ein Projekt allen Widerwärtigkeiten zum Trotz zu Erfolg führt. Nur dann ist er brauchbar. Es wird nicht verstanden, dass Projekte unweigerlich auf die schiefe Bahn gelangen müssen, wenn ihre Umgebung sie nicht tragen. Und sogar, wer das einsieht hat keine Wahl, denn hätte er vernünftiger- und ehrlicherweise das Projekt mit dem Argument abgeleht, dass die Unternehmensorganisation nicht derart sei, um ein solches Projekt durchführen zu können, dann hätter er kein Geschäft gemacht und wäre verhungert. Unsere politischen und wirtschaftlichen Organisationen sind Krüge, die zum Brunnen gehen, bis sie (zusammen-)brechen. Das müsste nicht sein.

Für 2010 wünsche ich viel Verständnis von Pfadabhängigkeiten.