Wüsten

Von Alaska sind wir zu Schiff und Eisenbahn bis nach LA gefahren und haben dort ein Auto gemietet, um damit den Rundtörn zu befahren:

  • LA
  • Sequoia Forest
  • Death Valley
  • Las Vegas
  • Mojave Desert
  • Joshua Tree Desert
  • LA

Diese Tour möchte ich nicht missen! Das war sehr eindrücklich. Von manchem, das ich hier gesehen habe, habe ich vor 40 Jahren in der Schule gehört, was in mir Fernweh erzeugt hat. Und jetzt war ich endlich da.

In Kalifornien, auf unsere Anfahrt, sahen wir viele Solar-Kraftwerke!

Sequoia Forest

Wie wir uns so dem Wald näherten, fiel uns nichts anderes auf. Es war wie in einem Lärchenwald im Kanton Graubünden. Und dafür sind wir nun dahin gefahren? Wo sind denn jetzt diese angeblichen Riesenbäume? Kurz nach dem bewachten Eingang zum Park bemerkten wir zwischen den normalen Bäumen hindurch einen, der etwas grösser als die anderen war, als wäre er einfach ein etwas hochgewachseneres Exemplar. Dann tauchte aber noch einer auf und noch einer und immer mehr und immer grössere Exemplare.

Frühmorgens um 08:30 Uhr fuhren wir in den Park hinein.
Der erste, etwas grössenauffällige Baum!

Im Park gab es diverse Stationen, wie z.B. der General Sherman Tree, das Giant Forest Museum oder das Lodgepole Visitor’s Center. Diese fuhren wir ab und schauten jeweils kurz rein. Aber im Grossen und Ganzen wanderten wir durch diese Riesenwelt und staunten die Bäume an. Unter anderem wird auf einer Tafel der angeblich höchste oder grösste Baum der Welt vorgestellt, während Wikipedia behauptet, dieser stehe im Redwood-Nationalpark, weit nördlich von San Francisco, und sei über 115 Meter hoch. Der General Sherman Tree im Sequoia Nationalpark ist dagegen „nur“ 84 Meter hoch.

Nein, auch zu zweit können wir den Baum nicht umfassen!
Der angeblich grösste Baum der Welt!
Das sind wirklich riesenhafte Bäume, wie man sie sonst nirgends sieht!

Der Moro Rock Trail, ein Weg durch Galerien und über Leitern, führt auf einen Aussichtspunkt. Wir schreckten nicht zurück, diesen abenteuerlichen Aufstieg zu machen. Die Aussicht war bombastisch!

Aussicht vom Moro Rock
Auf dem Gipfel

Übernachtet hatten wir in einem AirBnB in Visalia, nahe Fresno. Was wir schon verschiedene AirBnB gesehen haben! Meistens sind sie zweckmässig, sauber und wir fühlten uns wohl. Noch nie haben wir uns geweigert, die Unterkunft zu übernehmen.

Nach dem Bezug der AirBnB Unterkunft schlenderten wir noch ein wenig durch das Städtchen. Es gibt sogar eine „Academy“ zwecks Learning for Life! Bravo!

Death Valley

Nach dem Sequoia Park fuhren wir in unsere nächste AirBnB-Unterkunft in Ridgecrest zwischen dem Sequioia Nationalpark und demjenigen des Death Valley. Auf der Fahrt sahen wir viele Windfarmen. Es schien uns, dass Kalifornien in Sachen „alternative Energie“ vorbildlich ist.

Windräderpark

Ein freundliches älteres Paar erwartete uns in Ridgecrest und wies uns unser Zimmer zu. Er sei Metzger gewesen, jetzt aber pensioniert, erzählte er uns. und gab uns noch ein paar Tips auf den Weg. Zwischen Ridgecrest und dem Death Valley habe es noch paar Sehenswürdigkeiten. Am anderen Morgen fuhren früh weiter und trafen bald auf eine Tafel, die in der Tat interessante Dinge versprach.

Vor dem Eintritt in’s Death Valley gabe es eine ganze Menge zu sehen…

Die Trona Pinnacles wollten wir unbedingt besuchen. Sie erwiesen sich als absolutes Highlight. Kaum angekommen, stürmte ich aus dem Auto und erklomm einen Peak nach dem anderen. Die Zinnen sind zwischen 3-4 Metern bis zu über 40 Meter hoch. Es sind Tufsteinformationen, wie sie nach dem Austrocknen eines Sees von ungefähr 10’000 Jahren übrigblieben. Diese bizarre Landschaft diente mehreren Filmen als Kulisse. Vor allem Science Fiction Filme, wie Star Trek oder Planet der Affen wurden unter anderem hier gedreht.

Nach dem ergiebigen Fotostop ging es weiter Richtung Death Valley. Es verdankt seinen Namen einem Mitglied einer Reisegruppe mit 100 Wagen, die 1849 eine Abkürzung suchten und in das Tal gelangten. Dort waren sie mehrere Wochen lang gefangen, weil sie keinen Ausgang gefunden hatten und umherirrten. Schliesslich liessen sie alles, was sie hatten, stehen und verliessen das Tal über einen Pass. Auf der Passhöhe soll sich eine Frau umgedreht und gerufen haben: „Good bye, Death Valley!“

Kurz vor dem Eingang zum Death Valley

Das Death Valley soll einer der heissesten Orte der Erde sein. 1913 wurden dort fast 57 Grad Celsius gemessen. Nun, als wir dort waren, spürten wir nichts von solchen Temperaturen. Ich denke, es war etwas über 30 Grad am Schatten (aber wer geht denn schon in den Schatten?). Die Landschaft ist grossartig. Es gäbe so viel zu sehen, zu fotografieren und in sich aufzunehmen, dass man wochenlang dort verbringen könnte.

Der Kreosothbusch spendet nur spärlich Schatten. Zum Glück hat Barbara einen Sonnenschirm.
Sonnenaufgang im Death Valley

In der Mitte des Tals liegt Stovepipe Wells. Dort gibt’s ein Hotel, ein en Saloon und einen (klimatisierten) Souvenirladen.

Es gibt im Death Valley viele kleine Canyons, die man durchwandern kann.
Im Saloon von Stovepipe Wells haben sie es gar nicht gerne, wenn man ohne Hemd und barfuss kommt!

Der berühmte Zarisky Point ist eine lohneswerte Station im Death Valley. Die Sanddünen sind überwältigend. Irgendwo unterwegs, in der Nähe des Emigrant Campingplatzes, fotographierte ich zwei verlassene Hütten. Wer die einst bewohnte und welches sein Schicksal hier war? In Google Maps steht zu dieser Stelle: Death Valley Unified School District, Kalifornien, USA. „School District“! Hier? Aha!

Zarisky Point
Death Valley Unified School District, Kalifornien, USA !
Donnerwetter! Ein Berner im Death Valley! Vielleicht verläuft ein Seitenarm des Lötschberg-Basistunnel unter dem Antlantik durch…

Am Abend fuhren wir auf der anderen Seite des Parks wieder hinaus. Dort liegt das Dorf Beatty, wo wir ein Hotelzimmer nahmen. Das 1000-Seelendorf hat mich einerseits wegen seiner Wildwestromantik fasziniert. Im Restaurant, wo wir gegessen haben, hängen eine Menge Steckbriefe an der Wand und stehen sonst kuriose Dinge herum. Andererseits leben und arbeiten dort Menschen, wie Du und ich. Wikipedia weiss eine Menge über die Beattys Bevölkerung, z.B. dass im Jahr 2000 fast 7 % der Haushalte einen weiblichen Familienvorstand hatten, ohne anwesenden Ehemann. Was doch der United State Census 2000 alles so abfragte und auswertete und welche Sprache er verwendete! Dabei war Donald Trump damals noch gar nicht Präsident!

Die Kirche von Beatty
Hier hatten wir ein Nachtessen in Beatty

Las Vegas

Ungefähr 75 Km vor Las Vegas hielten wir in diesem Nest, Pahrump genannt. Hier gibt es Casinos, die davon träumen, etwas von Las Vegas Glanz abzubekommen. Pahrump soll vor allem seiner Bordelle wegen bekannt sein. Bis in die 1960er Jahre gab es keinen einzigen Telefonanschluss in Pahrump! Solche Flecken faszinieren mich. Das ist auf derselben Erde, auf der ich wohne und zur selben Zeit! Wie ticken da die Leute? Wie denken sie? Ich habe den einen oder anderen Einwohner genauer betrachtet, aber keine auffälligen Abweichungen zu Menschen gesehen, die in anderen Ecken der Erde leben.

Das Gold Town Casino in Pahrump

Weiter ging es dann nach Las Vegas, wo wir in einem modernen, fast noblen AirBnB wohnten, wie es sich halt für Las Vegas gehört. Ich erinnere mich z.B. an eine grosse weisse Lederpolstergruppe im Wohnzimmer. Über die Stadt will ich nicht viel schreiben. Es gibt ja unzählige Beschreibungen. Wir waren kurz in einem der unzähligen Casinos, aber das ist nicht der Rede wert. Von Las Vegas aus machten wir einen kurzen Ausflug zum Grand Canyon.

Las Vegas

Die Mojave und Joshua Tree Wüsten

Von Las Vegas fuhren wir südlich Richtung Mojave Wüste. Auf dem Weg sahen wir ein Solarkraftwerk, was ich zuvor noch nie gesehen habe. Man muss unterscheiden zwischen einem Photovoltaik-Kraftwerk und einem Sonnenwärmekraftwerk. Das erste Bild dieses Artikels ist ein Photovoltaik-Kraftwerk. Es wandelt Sonnenlicht in Strom um. Das Ivanpah-Sonnenwärmekraftwerk auf unserem Weg verwendet nicht das Sonnen*licht*, sondern bündelt die Sonnenwärme, erzeugt damit Wasserdampf, der eine Turbine antreibt.

Ein Sonnenwärme-Kraftwerk, das die Sonnenwärme bündelt und damit Dampf erzeugt

In der Mojave-Wüste angekommen, trauten wir unseren Augen nicht: die Landschaft ist märchenhaft. Überall sind diese Joshua Tree genannten Agaven, nur nicht im Joshua Tree National Park, den wir anschliessend besuchen werden. Überhaupt habe ich einen Durcheinander mit der Geographie: Gemäss Wikipedia ist das Death Valley ein Teil der Mojave Wüste. Aber auf Google Map sind die beiden Parks getrennt kartographiert. Na ja, Google ist ja in Kalifornien zuhause. Die sollten’s eigentlich wissen!

Dieser Weg ist eine Sackgasse.
Die typischen Joshua Trees in der Mojave-Wüste

In der Mojeave-Wüste irrten wir buchstäblich herum. Da ich nicht Autofahren kann, war Barbara den ganzen Weg über Driver, während ich, mit Google Maps bewaffnet, als Navigator diente. Ich schlug einen Rundtörn vor, der in der real world jedoch abrupt endete: plötzlich war eine Kette über den Weg gespannt mit einem Schild daran, das in etwa darüber informierte, dass der Rest der Strasse privat sei. Das sind wir von Italien geohnt. Da usurpieren Leute auch schon mal einen Strassenabschnitt, so dass man nicht dort durch fahren kann, wo Google es eigentlich vorsähe. Also kehrten wir um und schauten uns die Joshua Trees von der anderen Seite an. Schliesslich fuhren wir auf guten Strassen weiter südwärts, unserem nächsten AirBnB entgegen.

Diese Strasse führt uns aus der Mojeave-Wüste in das nächste AirBnB in der Ortschaft Joshua Tree

Wir stellten uns vor, dass wir bald in ein Dorf oder kleine Stadt namens Joshua Tree kommen, wo ein Wohnhaus am anderen steht, wie das halt so üblich ist. Und tatsächlich sahen wir bald die Wegweiser zu der Ortschaft Joshua Tree. Aber wo sind denn die Wohnhäuser? Na ja, die müssen bald kommen…. Stattdessen hörte der Asphaltbelag auf und wir befanden uns auf dieser Strasse:

Die Einfallsstrasse in den Ort Joshua Tree

Barbara stoppte. Ob ich mir auch ganz sicher sei, dass wir uns hier auf dem rechten Weg befinden, wollte sie wissen. Na ja, man hat mir zuweilen schon als Kind prophezeit, dass ich vom rechten Weg abkomme, wenn ich so weiter mache. Aber diesmal hätte schon ein Satellit explodiert sein müssen, wenn wir nicht auf der Anfahrt zu unserem AirBnB gewesen wären! Dennoch: krass war es allemal. Also, weiterfahren. Schliesslich fanden wir nach Einbruch der Dunkelheit das Häusschen, das wir gemietet hatten. Es liegt am Rand der sehr lockeren Siedlung. Auf der Terrasse hinter dem Häuschen genossen wir einen atemberaubenden Sonnenuntergang.

Unsere AirBnB-Unterkunft in Joshua Tree
Der Sonnenuntergang, den wir erlebten, während wir gleich nach der Ankunft auf der Terrasse unseres AirBnB sassen, war überwältigend!

Der Name Joshua Tree kommt also mindestens drei Objekten zu:

  • Einer Agavenart
  • Einer Ortschaft
  • Einem Nationalpark

Das musste ich zuerst lernen! Die Ortschaft Joshua Tree hat immerhin 7000 Einwohner, aber die Häuser sind so weit verstreut, dass nicht der Eindruck einer geschlossenen Siedlung entsteht. Auch die Sandpisten-Strassen tragen nicht gerade zu einem Dorfcharakter bei. Als wir ankamen, suchten wir das Häuschen. Mit Hilfe eines Nachbars konnten wir es zwar ausmachen, mussten aber zuerst den Schlüssel bei der Verwalterin, Sylvia White, abholen, wie sie uns per AirBnB-Mail mitteilte.

Die Siedlung Joshua Tree in der Morgenröte.

Zum Glück haben wir in unseren Smartphones immer eine lokale SIM-Karte. Sobald wir in einem fremden Land ankommen, ist das Erste, was wir tun, uns eine lokale SIM-Karte besorgen. Wir können uns nicht vorstellen, wie wir uns ohne Internet-Zugriff zurechtfinden sollten.

Das wichtigste Tool ist für uns einmal Google Maps. Es dient neben der Navigation, z.B. zum Auffinden der AirBnB, auch als Entscheidungshilfe für Ausflüge, oder um ATM oder Restaurants zu finden. Unser Eintreffen müssen wir den AirBnB-Verwalter ankünden. Das geschieht normalerweise per AirBnB-Mail, wozu natürlich Internetzugang notwendig ist. Treffen wir eine interessante Pflanzenart, möchten wir mehr darüber wissen. Dabei helfen KI-Apps, wie z.B. PictureThis, wofür aber Internetzugang vorausgesetzt ist. Wollen wir von gewissen Points of Interest (POI) mehr wissen, schauen wir schnell in Wikipedia nach. Nein, ohne mobilen Internetzugang geht gar nichts. Und wenn das Netz in einem AirBnB nicht hält, was es verspochen hat, dann können wir schnell einen mobilen Hotspot machen.

Wie gesagt, Sylvia schrieb uns, dass wir den Schlüssel bei ihr abholen müssen und beschrieb umständlich den Weg zu ihr, weil die Route in Google Maps falsch angezeigt sei. Da ich aber selten die Routen-Funktion benutze, sondern die Karte selber interpretiere, wäre es für mich einfacher gewesen, wenn sie mir die Adresse angegeben hätte. Nun gut, wir fanden ihr Haus nach einigem Suchen. Sie wohnt alleine in einem grossen Haus und hat sogar noch ein allein stehendes Cabin für Gäste. Das Haus hat eine schöne Veranda, auf der Sylvia uns einen schönen Willkommensapéro aufstellte, wie ich es eigentlich nur von Italien her kenne, mit kühlem Weisswein und verschiedenen Zutaten. Es stellte sich dann heraus, dass Sylvia in Paris studiert hat und seither jedes Jahr ein paar Wochen in Frankreich verbringt. Wir freundeten uns mit Sylvia an, nicht nur in Facebook. Als wir im kommenden Sommer in Italien waren, hat sie uns eine Woche lang besucht.

Anderntags besuchten wir den Joshua Tree National Park. Joshua Trees gibt’s dort fast keine, aber bizarre Felsformationen, die auch bei Hobbykletterern beliebt zu sein scheinen. In diesen Wüsten muss man immer genügend Wasser dabei haben. Es wird überall gewarnt, dass ein plötzlicher Kollabs nicht ungewöhnlich sei. Einmal wollten wir zu der 49 Palmenoase wandern, hatten aber nur etwa einen halben Liter Wasser bei uns und befürchteten, dass das nicht ausreichen wird. In der Oase selber gibt es keine Gelegenheit, Wasser zu kaufen und ob das Wasser der Oase trinkbar ist, wussten wir nicht. Daher entschieden wir uns, wieder umzukehren und in der Nähe des Autos zu bleiben.

Im der Joshua Tree Wüste
Bizarre Felsformationen
Immer wieder wandert man interessanten Felsformationen entlang
Kletterer benutzen die Felsen zumTraining

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