Bangkok

An einem Ort leben, nicht reisen

Wie gesagt, wir wollten die Winter nicht länger in Europa verbringen, zu kalt und trocken ist es hier. Schon früher hatten wir die Idee, in 12 Städten je einen Monat zu leben. Wohl verstanden: zu wohnen und leben! Es ging uns nicht in erster Linie um Reisen, sondern darum, in fremden Umgebungen und Gesellschaften zu leben. Die allgemeine Richtung war klar. Es sollte Asien sein. So trugen uns unsere Pläne im Oktober 2016 zunächst nach Bangkok, die erste Stadt, in welcher wir einen Monat wohnen wollten. „Wohnen“ heisst, auch mal einfach zuhause auf dem Sofa herum lümmeln, im 7/11 um die Ecke einzukaufen, zuhause kochen und essen, etc. Jedenfalls wollten wir nicht jeden Tag Touristenattraktionen nachrennen, sondern lieber mit den Einheimischen durch die Strassen ziehen. In Städten laufen wir immer viel. Dabei kommen wir locker auf die empfohlenen 10’000 Schritte pro Tag.

Strassenleben und Verkehr

Bangkok ist eine faszinierende Stadt, sehr geschäftig, sehr lebendig und sehr hybrid. Westliche und östliche Kulturelemente vermischen sich, Tradition und Moderne geben sich die Hand. Es gibt schöne grosse Shopping Malls, also Einkaufszentren, fast an jeder Ecke. Alle grossen Modegeschäfte sind vertreten, dieselben wie auch in Zürich, New York oder Tokyo. Auf den Strassen sind viele Menschen, die Waren herumschleppen oder buddhistische Mönche, die in ihren orange-roten Kutten im Gedränge auffallen.

Eine wichtige Tätigkeit in Bangkok ist auch, in eine Massage zu gehen. Vor allem nach einem längeren Fussmarsch durch die Stadt, ist eine Fussmassage die reinste Wohltat.

Auf der Strasse hat es viele Autos, Busse, Motorfahrräder und auch Tuktuks, also Motor-Rischkas. Das sind meist Piaggio-Nutzfahrzeuge, wie man sie auch häufig in Italien sieht. Nur haben die sogenannten Ape eine Ladefläche, während diejenigen in Bangkok hinten zwei Mitfahrersitze haben. Die Tuktuks dienen hier als Taxi. Daneben gibt es natürlich auch die Sharing Economy Taxis, im asiatischen Raum hauptsächlich „Grab“. Uber ist schon lange nicht mehr verbreitet. Am 27.3.2018 schrieb RP Online:

Der Fahrdienst-Vermittler Uber überlässt sein Geschäft in dem riesigen südostasiatischen Markt dem dortigen Konkurrenten Grab. Die beiden bisherigen Rivalen vereinbarten die Gründung eines gemeinsamen Unternehmens, an dem Uber lediglich einen Anteil von 27,5 Prozent halten wird. Die Mehrheit gehört dann Grab.

Die Strassen sind sehr verkehsreich. Manchmal gibt es Verkehrspolizisten, die mit weitausholenden Gesten die Autos zur Eile antreiben.

Will man eine Strasse überqueren, wo keine Ampel ist, dann muss man ein wenig aufpassen, denn die Autos reklamieren den Vortritt für sich. Niemals würde einem Thailänder einfallen, bei einem Fussgängerstreifen den Passanten Vortritt zu gewähren.
Bezüglich „Transport“ müssen auch die modernen U-Bahn-Linien erwähnt werden. Zum Teil sind es Hochbahnen, die auf Brücken über den grossen Strassenzügen fahren, zum Teil fahren sie unterirdisch, wie es sich für U-Bahnen gehört. Ich bin immer beeindruckt, wie toll diese U-Bahnen in Asien funktionieren. Teilweise sind sie schon fahrerlos. Die Ansagen sind stets sehr deutlich und meist sowohl in Englisch als auch in der einheimischen Sprache. Diese Ansagen liebe ich und könnte sie immer wieder hören. Vor allem die Haltestellen „Nana“ und „Lumphini“ haben es mir angetan. Das klingt für schweizerdeutsche Ohren sehr lustig.

Wohnen

Wir wohnten im zentralen Silom-Quartier, in einer AirBnB-Wohnung eines Apartmenthauses an der Soi Naradhiwas Rajanagarindra. Von der Strasse her passiert man zuerst ein Tor, an dem ein Wachhäuschen ist, vor dem ein uniformierter Sicherheitsmann steht und salutiert, wenn man das Hausgelände betritt. In Asien gibt es fast für jedes Mehrfamilien- und Geschäftshaus Sicherheitsleute. Oft haben sie nichts zu tun und ich frage mich, wozu sie gut sind. Man muss sich nicht ausweisen und sie fragen nicht danach, wohin man will.

In den Apartmenthäusern gibt es in einem mittleren Stockwerk meist einen Swimming Pool. Dieser steht den Hausbewohnern zu freien Verfügung. Wir gingen meist in der Früh ein paar Längen schwimmen. Rund um den Pool standen die Wohnungstürme des Apartmentkomplexes. Der Pool war eingefasst von tropischen Pflanzen. Die Duschen waren unter Bananenbäumen installiert. Die Anlage wurde fast rund um die Uhr von ein paar Frauen unterhalten. Eine hatte einen Vogel im wahrsten Sinne des Wortes. Er sass ihr meist auf der Schulter und liess sich von ihren Bewegungen nicht beirren.

Fresh Markets

Uns interessieren vor allem die Märkte und die Streetfood Angebote. Einmal lief ich Richtung Hafen. Die Häfen der Grossstädte sind für mich wie Magnete. Ich finde sie wesentlich attraktiver als irgendwelche Tempelanlagen. Während ich einen Zugang zum Hafen suchte, fand ich mich plötzlich auf einem riesigen Freshmarket wieder. Es muss als Umschlagplatz zwischen Hafen und den kleineren Märkten dienen, die überall in der Stadt verteilt sind. Auf diesem Markt – wahrscheinlich war es der Khlong Toei Markt – gab es einfach alles: farbenprächtige Blumen, Früchte und Gemüse, Fleisch von jedem Körperteil…. bekannte und unbekannte Fische und anderes Meeresgetier sowie Insekten aller Art.

Ich erinnere mich, wie die Verkäuferin mir irgendwelche gebratenen Kakerlaken angeboten hat, mit einem Grinsen, wohl wissend, dass ich mich davor ekle. Die meisten Angebote liegen auf einem Tuch am Boden. Die Verkäuferinnen – es sind meist Frauen – sitzen im Schneidersitz oder knieen hinter ihrer Ware. Klar, bei diesem warm-feuchten Klima ist Arthrose entsprechend selten! Interessant ist auch, wie sauber die Auslagen sind, trotz Hitze und herumliegendem Unrat. Vor allem Fleisch und Fisch sind sehr appetitlich ausgestellt. Fliegen hat es wenige und werden weg gescheucht, manchmal mit einer Feder, die an einem kleinen Elektromotor befestigt ist.

Restaurants und Bars

In der Strasse, wo wir wohnten, befindet sich ein sogenannter Food Court. Das ist ein Sammelsurium von Ständen, die fertige Essen anbieten. Die Stände sind rund um einen Tischpool angeordnet. Diese Tische, manchmal lange Holztische, wie wir sie von Dorffesten her kennen, gehören zu allen Essständen. Man kann sich hinsetzen, wo man will. Manchmal gibt es noch einen separaten Getränkeanbieter, der dann die Tische bedient.
Gleich gegenüber unseres Apartmentkomplexes befindet sich auch ein 7/11 (für 7 Tage pro Woche je 11 Stunden geöffnet). Dort kauften wir Trinkwasser in 10 Litergefässen und Bier ein. Attraktiv finden wir auch stets Rooftop-Bars. Von unserem Balkon aus konnten wir die AkaAza Bar im 25. Stock sehen. 

In der Mitte des Bildes ist unser Apartment-Komplex zu sehen: Vier kleine Wohnhäuser, die zu einem Rechteck angeordnet sind. Darin, hier nicht sichtbar, der Pool.

Einmal, als gerade ein Blutmond angesagt war, besuchten wir sie. Der Ausblick war natürlich hammermässig! Wir konnten unsere Wohnung sehen. Der Mond enttäuschte mich allerdings, obwohl wir ja viel näher daran waren, als auf der Strasse unten. Ich hatte ihn mir aus den vorhereilenden Beschreibungen grösser vorgestellt.
Bekannt sind in Bangkok die Rooftop Bars auf dem Banyan Tree Gebäude und die Vertigo Bar (sind die beiden identisch?).

Street Food

Ganz in unserer Nähe befanden sich zwei Street Food Places, die wir liebten und oft frequentierten. Das eine ist an der Silom Road vor einer Bank, ev. die Government Saving Bank oder die Kasikorn Thai Bank. Es gibt dort gleich vier oder fünf Banken nebeneinander. Die Tische wurden nach Bankenschliessung vor deren Eingang gestellt. Sogar vor dem ATM stand ein Tischchen. Die Gäste musste dann halt aufstehen, wenn jemand an den ATM wollte. Die „Küche“ bestand aus einem Wagen, der mit allem, was es brauchte, eingerichtet war. Die Frau (mit hängender Unterlippe) hat vermutlich während des ganzen Tages Gewürze und Gemüse klein geschnitten und alles fein säuberlich in flache Gefässe gefüllt, die sie in einem Regal im Wagen verstaute. Sie wusste genau, wo was ist. Wenn sie beim Kochen etwas brauchte, griff sie blind zum richtigen Gefäss. Das Essen – meist gibt es in Bangkok thailandische Curries – war dort ausgezeichnet. Oft genehmigte ich mir zum Dessert noch ein Glas Rotwein, wahrscheinlich ein australischer Cabernet Sauvignon, für den ich etwa 3 Euro pro Glas bezahlte.

Das andere Lokal ist das Mama Mia, das wir liebten, wegen der unterhaltsamen Szenen, die sich uns da boten. Die Mama war eine etwas feste thailändische Lady, die oft auf einem Hochsitz sass und alles überwachte. Wenn etwas nicht nach ihrer Vorstellung verlief, rief sie lauthals Instruktionen über die Strasse, auf deren beider Seiten sie ihre Tische hingestellt hatte, wie es der Zulauf der Kunden eben gerade erforderte. Unter ihren Angestellten war auch ihr Sohn Mike. Das nasal ausgesprochene „Mike!“ klingt uns noch immer in den Ohren und wir äffen sie gerne nach, wo immer wir uns befinden. Eines Tages war sie nicht da und wir wir machten uns schon etwas Sorgen um sie. Was dann geschah, war filmreif: Plötzlich bog eine weisse Limousine mit getönten Fenstern langsam von der Hauptstrasse in das Gässchen ein, in welchem sich ihre Küche bafand und hielt davor an. Wir dachten schon, dass sich ein Mitglied des thailändischen Könighauses persönlich die Ehre gab. Die Türe öffnete sich langsam, zuerst berührte ein Damenfuss die Strasse, dann kam der andere nach. Schliesslich pellte sich Mama höchstpersönlich aus dem Wagen, schrie als erstes nach „Mike!“ und begann, die Einkäufe zu entladen, die sie mit der Limousine auf dem Fresh Market erstanden hatte.

Nach einem Monat verliessen wir Bangkok schweren Herzens Richtung Malaysia, aber nicht, ohne uns fest vorgenommen zu haben, wiederzukommen!

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