Komplexität ist eine der grossen Herausforderungen unserer Zeit

Doch was ist Komplexität? Was auch immer Sie sich darunter vorstellen, es ist etwas, was wir in erster Linie als unangenehm wahrnehmen. Manchmal verspüren wir fast körperliche Pein, wenn uns Komplexität plagt. Daher versuchen wir zunächst reflexhaft, die Komplexität loszuwerden. Stephanie Borgert schreibt: Jeder kennt sie, jeder erlebt sie, manche können sie ganz klar benennen, aber keiner will etwas damit zu tun haben Sie kann Ihnen zwar die Komplexität auch nicht abnehmen, zeigt aber in ihrem neusten Buch Die Irrtümer der Komplexität, wie Sie sich mit ihr versöhnen können (1). Komplexität gab’s schon immer. Aber mit ihr ist es, wie […]

Eine kleine Zwischenbemerkung über das Unterdrücken unangenehmer Tatsachen

Im Zusammenhang mit einer längeren Rechnung fragte ich kürzlich einen meiner Studenten, was die Wurzel aus sei. Er antwortete „“. Als ich fragte, wo die 2 geblieben sei, hat er lange versucht, mich mit ausweichenden Antworten zufrieden zu stellen. Er übersah partout die Wurzel aus 2. Nach einigem Ringen hatte er es verstanden und ging in sich, um herauszufinden, warum er es nicht gleich richtig gemacht hat. Er kam dann mit der Erklärung, dass er sich gegen die Wurzel gewehrt hatte, weil er sie nicht in seiner Rechnung haben wollte. Am besten, man übersieht unangenehme Kleinigkeiten generös Das scheint mir ein […]

Was ist der Unterschied zwischen Algorithmen und Orakeln?

Insbesondere die Digitalisierung hat die Komplexität unserer Welt anschwellen lassen und sie hilft uns auch, mit ihr umzugehen. Ich habe hier schon oft digitale Tools vorgestellt, allen voran System Dynamics Tools, die wir aktiv einsetzen, wie eine Denkkrücke. Um bei der Metapher aus dem physiologisch-medizinischen Gebiet zu bleiben, gibt es aber auch Herzschrittmacher, die uns automatisch und ohne unsere aktive Beteiligung zu Diensten sind. Ich denke an sogenannte Algorithmen. Algorithmen sind Tausende von Jahre alt Algorithmen haben in komplexen Umgebungen die Aufgabe, grosse Datenmengen zu sammeln und auszuwerten. Am besten, sie veranlassen dann gleich die notwendigen Handlungen, ohne zuerst „den […]

Gab es „gutes Lernen“ in meiner eigenen Schulzeit?

Am 25. Januar 2015 hat @legereaude auf Twitter zu einer Blogparade über „gutes Lernen in der eigenen Schulzeit“ aufgerufen(1) Autonomes Lernen Ich beschränke mich auf die obligatorische Schulzeit zwischen meinem 7. und 16. Lebensjahr.  In dieser Zeit war ich keineswegs ein Musterschüler und musste stets um die Promotion in die nächsten Schuljahre bangen. Das hing gewiss auch damit zusammen, dass die Schule eher langweilig war. Für das bisschen Lesen, Schreiben und Rechnen hätten wenige Jahre genügt. Ich gebe allerdings zu, dass ich nebenbei einige Fähigkeiten mitbekommen haben musste, was mir jedoch nicht bewusst war: Sprachgefühl, Selbstwahrnehmung, soziale Fähigkeiten, Verständnis der […]

Problemlösen hat auch eine sinnliche Komponente

Je komplexer die Welt, desto weniger nützlich ist spezielles Wissen und desto nützlicher sind Problemlösetechniken, die aber weniger als Wissen denn als Fähigkeiten daher kommen. Ich möchte diese Behauptung im Folgenden erläutern und zeigen, dass die Fähigkeit, komplexe Aufgabenstellungen zu lösen, geübt werden muss, das Aushalten und Erspüren des physischen Unwohlseins, das komplexe Aufgabenstellungen verursachen können, ebenfalls gelernt werden muss. Haben wir die richtigen Bildungsinhalte? Vor ein paar Tagen löste ein Tweet einer Schülerin aus Köln eine Debatte über Sinn und Unsinn des Schulunterrichts aus. Der Tweet hat mittlerweile über 29 Tausend Favs. Selbstverständlich kann jede Gewichtung von Bildungsinhalten in Frage […]

Genügen die heutigen Erwartungen morgen nicht mehr?

Kürzlich habe ich folgenden Tweet gelesen: Wenn ich mal von den Konferenzen abstrahiere verstehe ich das so, dass Höchstleistung nicht immer erstrebenswert sein muss. Damit bin ich absolut einverstanden, denn wer will denn schon beurteilen können, in welcher Richtung „besser“ ist. Für mich ist es wichtig, dass einer etwas kann, z.B. Fahrradfahren. Ich erwarte keine akrobatische Leistungen, es sei denn, er will im Zirkus auftreten. Ein paar Tweets oberhalb twitterte jemand dieses Plakat: Das bedeutet, dass wir immer am Limit unserer Fähigkeiten laufen sollten, um darüber hinaus zu wachsen. Wir sollen einander zu noch mehr animieren, um „besser“ zu werden. […]

Was ist Macht für ein Gefühl?

Kürzlich meinte einer am Biertisch abschliessend, es gehe immer nur um Macht. Ich konnte damit gerade nichts anfangen. Ich ertappte mich, nicht zu wissen, was Macht eigentlich ist. Ich glaube, dass unsere Motivationen stets emotional bedingt sind, konnte aber Macht keinem Gefühl zuordnen. Als erstes dachte ich, es gehe darum, dass man machen kann, was man will und identifizierte Macht als Freiheit. Das wäre also eine Art stressfreies Samstagabend-Gefühl. Doch das überzeugte mich nur halbwegs, denn wer Macht hat, hat meist keine Zeit, seine Freiheit zu geniessen. Dann fragte ich mich, ob es vielleicht um Anerkennung geht. Die Menschen müssen […]

Die rezipive Verzerrung durch des Kaisers neue Kleider

In Köln stehen fünf kleine Fassaden-skulpturen, die das Märchen Des Kaisers neue Kleider von Hans Christian Andersen darstellen. Zwei Betrüger verkaufen dem Kaiser teure Gewänder, die angeblich nur von Personen gesehen werden, die ihres Amtes würdig und nicht dumm seien. Tatsächlich geben die Betrüger nur vor, Stoffe zu weben und Kleider zu schneidern. Aus Eitelkeit und Unsicherheit gibt der Kaiser nicht zu, dass er die Kleider auch nicht sehen kann, während die Menschen, denen er die angeblichen Kleider vorführt in Begeisterungsstürme ausbrechen ob derart nobler Bekleidung. In unserer Zeit gibt es immer mehr Kaiser mit „neuen Kleidern“ Das Märchen endet […]

Vielfältige Meinungslandschaft – eine Voraussetzung für den Fortschritt

Ist es Ihnen auch schon mal passiert, dass da irgend so ein Holzkopf einen ausgewachsenen Quatsch behauptete, mit dem Sie so ganz und gar nicht einverstanden sein konnten? Sie haben dann lautstark Ihre Meinung Kund getan, worauf er noch grösseren Quatsch behauptete, usw. Oder umgekehrt: Sie hielten sich zurück, weil Sie Ihren Nerven das ständige Hickhack nicht zumuten wollten, das wahrscheinlich entstanden wäre, wenn Sie Ihre Meinung ausgedrückt hätten; oder sogar weil Sie einen Shitstorm befürchteten. Konkurrenz ist ein Prinzip der Natur Aber mal ganz ehrlich: macht das vielleicht nicht gerade den Sinn des Lebens aus? Es geht doch darum, […]

Das Chickenspiel in komplexen Systemen am Beispiel einer Quartierentwicklung

Gestern sah ich einen Dokumentarfilm über die Entwicklung eines Stadtquartiers. Eine Stadt ist ein komplexes System und ein Lehrstück für Komplexitätsmanagement. Quartierkampf Der Film aus dem Jahr 1995 hat den Titel „Heimat oder Hölle“ und sein Thema ist die Zerstörung des Lebensraumes durch die Tendenz, die alten Häuser durch moderne Glaspaläste zu ersetzen. Dadurch sind die Bewohner gezwungen auszuziehen, was einige als Verlust der Heimat empfinden. Als Konsequenz entstand eine Bürgerbewegung, die Häuser besetzte und gegen die Spekulation demonstrierte. Das rief die Polizei auf den Plan, und die Situation eskalierte. Diese Entwicklung können wir mit Hilfe eines Chickenspiels analysieren, um […]