Wie man Kosten, Zeit und Ärger spart

Als ich kürzlich mit meinen Studenten das Handlungsmodell von J. Reason (Was kann in Projekten und Unternehmen alles schief gehen) anschaute und darauf hinwies, wie wichtig es sei, sich über die eigenen Entscheidungen und Beurteilungen klar zu werden, da erzählte mir einer der Studenten, dass ein Freund von ihm angehalten sei, sich alle zwei Wochen eine Viertelstunde Zeit zu nehmen und seinem Vorgesetzen ein kurzes Statusmail zu senden. Ich lobte zwar dieses Vorgehen als grundsätzlich richtig, betonte aber, dass eine Viertelstunde pro zwei Wochen ganz bestimmt dieselbe Wirkung habe, wie die kühlende Wirkung eines Tropfen kalten Wassers auf ein glühendes […]

Lessons Learned ist tot, es leben die Learning Stories

Wie kommt es, dass Sie beim Kaffeeautomaten dem Kollegen mühelos zuhören und ihn verstehen, wenn er von seinen Projekterlebnissen erzählt, dass Sie sich aber mühsam durch die nüchterne Sprache eines Protokolls und durch abstrakte Grafiken quälen, die von genau demselben Projekt handeln? Es kommt daher, dass der Kollege Ihnen eine Geschichte erzählt, in der er der Protagonist und manchmal auch der Held ist. Wenn seine Geschichte wirklich aus dem Projektleben gegriffen und authentisch ist, dann leben Sie mit und sind gierig darauf zu vernehmen, wie die Geschichte ausging. Der Vorteil von Geschichten liegt auf der Hand, wenn es darum geht, […]

Neue Lemmingarten entdeckt!

In einem Artikel über eine nachhaltige Informationsgesellschaft und ihren Perspektiven für das Jahr 2050, zählt Franz Josef Rademacher, Professor für Künstliche Intelligenz an der Universität in Ulm, einleitend zwei Grobszenarien auf: eines, in dem sich die im Raum stehenden Hoffnungen erfüllen, und ein eher chaotisch-schmerzhaftes Szenario, das sehr unangenehm werden kann1. Dieses letztere Szenario wird immer mehr von weltweiten Wanderbewegungen, Hungersnöte, sozialen Konflikten, Terror, Weltkriege, Zerstörung der Umwelt, Diktat des Geldes, etc. gekennzeichnet sein. Dann schreibt Rademacher lapidar und in einem Nebensatz: der Autor hält diese Art von Zukunft für die wahrscheinlichere„, geht dann aber schnell zum optimistischeren Szenario über, […]

Wo würden Sie sich auf der Costa del Sol als Eisverkäufer platzieren?

Modelle sind für das Verständnis von komplexen Projekten und Unternehmen etwas sehr wichtiges. Der Grad der Komplexität moderner wirtschaftlicher Strukturen ist heute so gross, dass es unmöglich ist, ohne Modelle zu führen. An einem Beispiel wollen wir uns zu der Anwendung von Modellen Gedanken machen. Hotelling beschrieb 1929 ein Modell zweier Anbieter homogener Produkte1. A1 und A2, die beiden Anbieter, sind entlang einer Strecke einer bestimmten Länge positioniert (Beispiel: Eisverkäufer auf einem Strandabschnitt). Mit ai bezeichnen wir die Koordinate von Ai , d.h. den Abstand vom linken Ende der Strecke. O.B.d.A. kann angenommen werden, dass die Strecke die Länge 1 […]

Wasch mir den Pelz, aber mach‘ mich nicht nass

Migrations- und Integrationsprojekte (MIP) sind immer auch Veränderungsprojekte. Jedes System widersteht aber Veränderungen, wie wir schon bei der Bildung der Bénard-Zellen gesehen hatten. Ein grosses Problem bei der Durchführung von MIP ist die Tatsache, dass man ihr Veränderungspotential unterschätzt. Es ist allgemein anerkannt, dass ein Organisationsentwicklungsprojekt selbstreferentiell ist und daher ein grosses Veränderungsmoment entwickelt. Bei MIP denkt man, es gehe „bloss“ um die Integrierung eines technischen Subsystems, also von ein bisschen Blech und paar gespeicherten Daten oder gar „nur“ um die Migration einer bereits im Einsatz stehenden technischen Apparatur. „Störungen“, wie sie durch MIP hervorgerufen werden, können in komplexen Organisationen […]

Von Nichts kommt nichts

Zwar kann durchaus etwas aus dem Nichts entstehen (Energie des Vakuums), aber sicher keine vollständigen Anforderungskataloge. Ich mache mir zuweilen einen Sport daraus, Gesprächspartner, die behaupten, dass sie mit Projekten zu tun haben, nach ihren Erfahrungen zu befragen. Insbesondere bin ich interessiert zu wissen, wie sie mit Problemen umgehen. Kaum einer will wissen, wovon ich spreche. Wenn ich erkläre, dass es doch zu Termin- und Budgetüberziehungen kommen könne, tun sie so, als hätten sie davon zwar schon gehört, aber nie selbst erlebt. Da geht es mir wie mit Autofahrern, die z.B. bei der Rückfahrt nach längeren Feiertagen im Stau stecken […]

Wahrnehmungen haben eine endliche Geschwindigkeit

In den letzten paar Wochen habe ich gleich mehrmals die relativ frustrierende Erfahrung machen müssen, dass man Pläne nicht ohne weiteres ändern darf, vor allem, wenn die Änderung nur Details betrifft. Beispielsweise habe ich für einen Verein ein Jahresprogramm zusammen gestellt und dieses kommuniziert. Kurz vor dem Inkrafttreten des Programms habe ich eine kleine Änderung vorgenommen und zweimal mündlich darauf aufmerksam gemacht. Aber nein, mindestens die Hälfte der Mitglieder haben die Änderung nicht zur Kenntnis genommen und stellten sich auf den alten Plan ein, was natürlich konfliktträchtig ist, wenn die beiden Planvarianten kollidieren. Planänderungen müssen mit Pauken und Trompeten kommuniziert […]

Im Himmel ist alles viel einfacher

Kürzlich nahm ich an einer Strategiediskussion einer Gruppe von Mitgliedern einer humanitären Organisation teil. Es ging dabei um die Frage, welche humanitären Aktionen man als nächstes in Angriff nehmen wolle. Nachdem sich unterschwellig ein paar Konflikte abzeichneten, lief die Diskussion darauf hinaus, dass man nur noch Ideen sammelte, wem man Geld spenden will. Anstatt zu überlegen, was man mit den eigenen Kräften tun könnte, begann man aufzuzählen, welche notleidenden Zielgruppen es gibt, die die Hilfe nötig haben. Eine solche Aufzählung ist leider sehr einfach, denn die Not in der Welt ist bekanntlich gross. Am Schluss überlegte sich die Gruppe, wem […]

Jede Anwenderumgebung verhält sich anders

Migrations- und Integrationsprojekte (MIP) sind deshalb so schwierig, weil sie von lokalen Integratoren durchgeführt werden, die nur beschränkte Produkte- und Engineeringwissen haben können. Sie nehmen Produkte aus dem eigenen Konzern oder von Drittanbieteren und integrieren diese in den Umgebungen der Auftraggeber. Da die Produkte proprietär sind, kann der Integrator von den Produkteinternals nur beschränkt Kenntnisse haben. Damit fehlen ihm fast sämtliche Hebeln. Wenn das Produkteverhalten nicht den Erwartungen entspricht, kann häufig nur der Hersteller sagen, ob es sich um einen Produktefehler oder um einen Installations- oder Bedienungsfehler handelt. Da aber die Experten beim Hersteller ebenfalls rar sind, kann das Projekt […]

Pipeline-Verzögerungen

Als gutem Projektleiter ist es Ihnen natürlich nicht entgangen, dass wir noch einen offenen Task haben. Noch sind nicht alle Fragen aus dem Beitrag Verzögerungen als Dimension der Projektkomplexität vom 24. Juli gelöst. Die Aufgabe mit dem Brennofen macht sicher niemandem Mühe. Wenn ich – sagen wir mal – ein Palett (ja, ich weiss, dass es korrekt „die Palette“ heisst; aber das widerstrebt mir; in der Schweiz sagt man „das Palett“), wenn ich also ein Palett mit 1000 Tassen einmalig in den Ofen schiebe, dann haben wir dieselbe Situation, wie mit den Tauben und den Briefen. Es geschieht eine Stunde […]