Ammenmärchen

Komplexität kann und soll man weder reduzieren, noch in die Umwelt auslagern, wie ich auch schon gehört habe. Das Gerede von der Reduktion der Komplexität ist ein Ammenmärchen. Komplexität haben wir als hochstehende raum-zeitliche Informationsstrukturen kennen gelernt, die unter vielen „Fluktuations- und Instabilitätsschmerzen“ geboren wurden und unter ständiger Aufbietung von Ressourcen genährt werden. Wer nun diese Strukturen „reduzieren“ will, ist in höchstem Masse destruktiv. Unsere ganze Welt – die Sterne, die Pflanzen, die Tiere, unser Gehirn – das sind alles hochkomplexe Strukturen. Will eine Unternehmung bestehen, muss sie einen immer höheren Komplexitätslevel erreichen. Alle organisatorischen Institutionen einer Unternehmung, die der […]

Wann sind Projekte instabil?

Aber was macht denn nun wirklich das aus, was wir gemeinhin, aber fälschlicherweise mit Projektkomplexität bezeichnen, also das Chaotische, das Fluktuative? Wie wir gesehen haben, beginnt das System aus dem Ruder zu laufen, wenn sich die Kontrollparameter ändern. Mit unseren Managementmassnahmen, halten wir das System „über Wasser“ bis es eine neue Mode ausgebildet hat und einigermassen stabil wird, also in ruhigere Gewässer treibt, um bei dem Bild zu bleiben. Die Frage ist somit: welches sind gängige Kontrollparameter in einem Projekt? Ich habe in den letzten Jahren eine Liste derjenigen Faktoren geführt, die mir in meinen Projekten jeweils zu schaffen gemacht […]

Vagabundieren Sie auch ab und zu?

Ein Beispiel für die Bildung einer eher abstrakten komplexen Struktur ist das Zustandekommen einer öffentlichen Meinung. Kontrollparameter sind z.B. Veränderungen der wirtschaftlichen Lage oder Überhandnehmen eines innenpolitischen Drucks. Solche Veränderungen erschüttern das Vertrauen in eine bisherige Meinung. Dadurch wird das System instabil. Es bilden sich zunächst eine Menge konkurrenzierender Alternativmeinung aus. In dieser Situation kann eine einzelne Gruppe von Menschen, von Avantgardisten oder aktiven Revolutionären, ja manchmal sogar einzelne Individuen zum Kristallisationspunkt einer neuen Meinung werden. Hermann Haken schreibt: Unvorhersehbare, scheinbar lokale Ereignisse bekommen bei einem Zustand der Instabilität eine enorme Ausstrahlungskraft, die sie in normalen Zeiten nie gehabt hätte. […]

Komplexität revisited

Es wird Zeit, dass wir uns wieder einmal mit dem Begriff der Komplexität beschäftigen. Sie erinnern sich, dass ich im Beitrag Bestimmt die Anzahl Moden die Komplexität? erklärt hatte, dass Komplexität von der Anzahl Moden und dem Vorhandensein von (dynamischen) Nichtlinearitäten abhängt. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Um auch den Rest zu verstehen muss man wissen, wie sich ein System entwickelt. Dazu wollen wir uns nach einem physikalischen System umsehen, weil diese gegenüber lebender Systeme recht einfach zu verstehen sind. Ein in der Physik bekanntes System, das genügend komplex ist, aber dennoch transparent genug, um daraus Erkenntnisse zu […]

Migrations- und Integrationsprojekte sind anders

Der Standish Chaos Report erscheint seit 1994 alle zwei Jahre. Er beruht auf einer Umfrage unter mehr als 300 amerikanischen Entwicklungsunternehmen und untersucht über 8000 Projekte. Aus der Reihe der bisher erschienenen Reports geht hervor, dass der Anteil erfolgreicher Projekte bei ungefähr 28% konstant blieb, während der Anteil derjenigen Projekte, bei denen der Kosten- oder Zeitrahmen beträchtlich gesprengt wurde, zu Lasten der abgebrochenen Projekte konstant angewachsen ist. Aber es handelt sich ausschliesslich um Softwareentwicklungsprojekte. Als Grund, dass immer weniger Projekte abgebrochen werden, wird die Anwendung formaler Methoden angegeben1. Aber trotz dieser formalen Methoden – was immer das für welche sind […]

Herkömmliche Projektmanagementmehtodik ist noch nicht alles

Die miserablen Erfolgsquoten von IT-Projekten werden überall mit Erstaunen beobachtet. Martin Cobb hat an der von der Standish Group organisierten Chaos University 1995 das nach ihm benannte Paradoxon geprägt: We know why projects fail, we know how to prevent their failure – so why do they still fail?. Markus Körner vom Institut für Betriebswirtschaft der Universität St. Gallen sagte 2005: Project work is expanding – at a consistently high rate of failure. Peter Morris hielt in seiner Präsentation am IPMA World Congress 2003 in Moskau fest: Our understanding of the central core of generic project management has not changed very […]

Verzögerungen erster und höherer Ordnung

Es wird Zeit, dass wir uns den Aufgaben aus dem Beitrag Verzögerungen als Dimension der Projektkomplexität vom 24. Juli zuwenden. Zunächst zu den Tauben. Die Tauben stehen dicht, Leib an Leib, und können sich nicht gross bewegen. Jede Taube hat zuerst fast beliebig viele Körner unter sich und pickt drauf los, was das Zeug hält, vielleicht zwei Körner pro Sekunde. Dann werden es weniger und die Taube muss immer mehr den Hals verrenken, um an ein weiteres Korn zu gelangen. Das braucht Zeit. Vielleicht erreicht sie nur noch ein Korn pro Sekunde. Dann wird’s eng. Es hat noch Körner, aber […]

Verzögerungen als Dimension der Projektkomplexität

Verzögerungen haben es in sich und zwar nicht nur, wenn wir trödeln. Vorbereitungen, Fahrwege, Entscheidungen, Informationsbeschaffung, Lernen – all das benötigt Zeit. Mit Zeit können wir schlecht umgehen. Mindestens in dieser Hinsicht ist die Behauptung, Zeit sei Geld, falsch. Forscher an der Universität von North Carolina1 haben nämlich herausgefunden, dass vielbeschäftigte Menschen dazu neigen, ihr zukünftiges Zeitbudget zu optimistisch einzuschätzen und dadurch mehr Termine einplanen, als sie seriös wahrnehmen können. Wenn es ums Geld geht, sind die meisten Menschen hingegen realistischer. Geld ist fassbarer und hat als Zahlungsmittel eine bekannte Größe. Zeitbudget und Arbeitsaufwand hingegen variieren von Tag zu Tag. […]

Entscheiden unter Ungewissheit

Wir geraten immer wieder in Situationen, in denen wir uns für eine von mehreren Alternativen entscheiden müssen, ohne genau zu wissen, was wir uns da letzendlich einbrocken. Ich gebe es zu: Auch wenn es in einigen der Fällen durchaus möglich wäre, die Ungewissheit herabzusetzen oder quasi zu beseitigen, würden wir unseren Kortex nur etwas anstrengen, es bleiben dennoch echte Härtefälle übrig, in denen die Ungewissheit an uns nagt. Ok, und wie entscheiden wir dann? Die Psychologen wissen, dass wir uns in solchen Fällen der Heuristik Anchoring and Adjustment bedienen. Das tönt so gescheit, dass man versucht ist, sich vor so viel Verstand gleich tief zu verbeugen. Anchoring and Adjustment heisst […]

Tücken im Bierspiel

Eine Pseudokomplexität im Bierspiel ist die Tatsache, dass es zwölf Variablen enthält. Das sind die Kästchen, die im kompliziert ausschauenden Modell unter  http://www.public.asu.edu/~kirkwood/sysdyn/SDWork/work-4.pdf auf Seite 32 mit SuppL, Inventory und Backlog bezeichnet sind. Natürlich nehmen die Spieler diese vielen Variablen nicht direkt wahr. Das zeigt, dass eine Situation oder das zu beeinflussende System trotz grosser Variablenzahl noch nicht unbedingt komplex zu sein braucht. Obwohl das Bierspiel nicht so richtig komplex ist, bietet es doch im wesentlichen zwei Tücken (sonst wär’s ja nicht interessant), aus denen wir auch einiges lernen können. Die beiden Tücken sind: Entscheiden unter Ungewissheit Umgang mit Verzögerungen. Beide Tücken sind so […]