Ich glaube nicht an tiefschwarze Schwäne

Kramen wir wieder einmal Nassims Schwarze Schwäne hervor1. Dels schreibt im blicklog,
Warum das Unglück in Japan definitiv kein “Schwarzer Schwan” war, dass uns viele Journalisten und Politiker in diesen Tagen weismachen wollen, dass das Fukushima-Unglück kein Schwarzer Schwan sei.

Dels berichtet, dass Frau Merkel sagte: „Wenn das so ist, wenn also in einem so hoch entwickelten Land wie Japan das scheinbar Unmögliche möglich, das absolut Unwahrscheinliche Realität wurde,….“. Ich meine, dass ein Notstromaggregat von einer Tsunamiwelle überflutet werden kann und dann aussteigt, ist ja wohl möglich. Könnte es sein, dass wenn eine Physikerin in diesem Zusammenhang vom „scheinbar Unmöglichen“ spricht, sie schlicht denjenigen folgt, für die Gewinn und Rentabilität an erster Stelle ihres Wertekanons stehen? Die Betreiber von Fukushima I haben 16 Jahre lang Berichte gefälscht, um (teure) Inspektionen zum umgehen. Rentabilität stand über Sicherheit, weil ja ein Super-GAU unmöglich schien („Dieses schöne neue KKW, hier in unserem soliden Land, kann doch gar nicht explodieren“)2.

Dieses Phänomen zieht sich durch alle menschlichen Lebensbereiche. Ob KKW, Forstbau oder IT-Projekte, ob Familie, Staat oder Unternehmen, ob Europa, Japan oder USA, überall glauben die Verantwortlichen, dass sie alles unter Kontrolle haben. Und wehe, einer meldet Bedenken an. Dann ist er ein Miesmacher und soll gefälligst positiv Denken! Nassim nennt das „epistemische Arroganz“, Dörner etwas sachlicher: „Übermässiges Vertrauen“3. Ich glaube nicht an tiefschwarze Schwäne!4

1Nassim Nicholas Taleb. Der Schwarze Schwan – Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse. Hanser Verlag. München 2008
2
Peter Addor. Risikomanagement ist einfacher zu lehren, als der Umgang mit Unvorhersehbarem. Blogeintrag 2011
3
Dietrich Dörner. Die Logik des Misslingens – Strategisches Denken in komplexen Situationen. Rowohlt Verlag. Reinbek bei Hamburg 2003.
4
Peter Addor, Projektdynamik – Komplexität im Alltag. Liebig Verlag, Frauenfeld 2010

Ein Gedanke zu „Ich glaube nicht an tiefschwarze Schwäne“

  1. Trotz aller Unglücke und der vielen schwarzen Schwäne (oder auch weißen) geht es uns doch immer besser. Die Technologie, Demokratisierung und der Wohlstand schreiten voran.

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