Wasserversorgung

Dass es in einem Land flächendeckende und kontinuierliche Strom- und Wasserversorgung gibt, ist überhaupt nicht selbstverständlich. Von funktionierenden gesellschaftlichen Unterstützungsleistungen ganz zu schweigen. Über Powercuts bei uns in Sri Lanka z.B., habe ich schon verschiedentlich geschrieben.

Hausbau

Für die Wasserversorgung müssen die Bürger selbst etwas tun. Das geschieht in Form von Wassertanks, die meist auf einem eigens dafür gebautem Turm neben dem Haus stehen und als Speicher dienen, für den Fall, dass die kommunale Wasserversorgung unterbrochen ist. Der öffentliche Wasseranschluss der Nachbarin führt nur etwa jeden zweiten Tag ein paar Stunden lang Wasser. Wir warten seit mindestens zwei Jahren auf einen eigenen Wasseranschluss. Hier in Sri Lanka müssen Sie zuerst ein Haus fertig gebaut haben, bevor Sie einen Wasseranschluss beantragen können. Und dann ist es noch lange nicht gesagt, dass dieser auch kommt. Das Wasser, das der Bau benötig, müssen Sie irgendwie beschaffen. Nicht nur, dass Zement mit Wasser angerührt wird. Nein, Sie sind auch verpflichtet, den Arbeitern abends eine Dusche zu ermöglichen. Wie das ohne Wasseranschluss funktionieren soll, ist Ihrer Improvisationskunst überlassen. Dienstleister, die Wasser in 6000 Liter-Tankwagen anliefern, freuen sich, über diesbezügliche Aufträge. Kostenmässig fällt die Übung ja nicht sonderlich in’s Gewicht, aber wohin auf die Schnelle mit 6000 Liter Wasser?

Wassermanagement

Nachdem das Haus fertig war, waren Wassertanks unumgänglich. Das Wasser bezogen wir von der Nachbarin, bis es hiess, das sei verboten. Na bravo! Kein Wasseranschluss, aber von der Nachbarin Wasser nehmen, war auch nicht gestattet! Also musste wieder der 6000 Liter-Tankwagen kommen. Wir hatte drei 2000 Litertanks, aber wir konnten den Tankwagen ja nicht erst bestellen, wenn die drei Tanks trocken gelaufen waren. Zum Glück haben wir einen Pool, so dass wir den Rest des Wassers in den Pool leiteten. Ein Pool ist nicht sehr wasserintensiv, da wirklich selten Frischwasser nachgefüllt werden muss. Heftige tropische Regengüsse genügen meist, um die Verdunstung auszugleichen. Der Stand heute: Wir dürfen wieder das Wasser der Nachbarin anzapfen und haben einen unteren und einen oberen 2000-Litertank. Neuerdings haben wir im obenern Tank einen Schwimmer, der die Pumpe automatisch startet, nachdem 500 Liter verbraucht wurden. Dann versuche ich, diese 500 Liter im unteren Tank mit dem Gartenschlauch der Nachbarin nachzufüllen. Das klappt ganz gut.

Nachhaltiges Leben

Dennoch führt die ständige Sorge um das tägliche Leitungswasser zu einem ganz anderen Umgang mit Wasser. Auch wenn ich mir in Europa oder schon nur in Colombo, wo die Wasserversorung wie in Europa funktioniert, vornehme, kein Wasser zu vergeuden, ist es hier doch ganz anders. Sogar wenn ich schlaftrunken bin, achte ich noch darauf, nur kurz zu spülen und sicherzustellen, dass danach die Spülung auch dicht ist. Duschen funktioniert hier so: Wasser auf, Körper benetzen, Wasser nach 10 Sekunden wieder zu. Knapp einseifen, wo erforderlich und die Fusssohlen schruppen, da man ja häufig barfuss herum läuft. Danach Wasser auf, Seife abspülen, nach 20 Sekunden Wasser wieder zu. Fertig! Die Kultur eines Landes, wo nicht alles selbstverständlich ist, lehrt mich nachhaltiges Leben! Zwar haben wir eine Warmwasseraufbereitung auf dem Dach. Aber ich benutze auch zum Duschen nur Kaltwasser. Meistens ist es hier warm und feucht, so dass kaltes Wasser eine Wohltat ist, sogar wenn ich am Abend schon etwas abgekühlt bin.

Klima

Viele Menschen, denen ich von Sri Lanka erzähle, behaupten spontan, dass das Klima „nichts für sie sei“. Ich denke, das ist eine Frage der Einstellung und kommt aus der Zeit, wo man sich noch mit Kunden herumschlagen musste. Da war es peinlich, wenn das Hemd feucht vom Schweiss war. Aber wenn man einmal keine Kunden mehr hat, auch sonst weniger unter Menschen ist und akzeptiert hat, dass man halt immer schweisnass ist, kann man vom Klima profitieren: die ständig feuchte Haut dankt es einem und die Wärme lindert (arthröse) Gelenkschmerzen. Das Klima hier ist gegenüber dem winterlich trockenkalten Wetter Europas sehr bekömmlich.

Vegetation

Es ist hier so feucht, dass jeden Morgen ein paar Liter Tauwasser vom Dach fliessen. Das ist auch der Grund für die üppige Vegetation. Wenn dürre Blätter an den Bananenpalmen hängen, dann, weil sie abgebrochen oder alt sind und absterben, aber niemals wegen Wassermangels. Bananenstauden enthalten unglaublich viel Wasser. Wenn ich ein Blatt oder gar einen Strunk abschneide, so fliesst eine Menge Wasser aus der Schnittstelle. Und das auch nach längeren Schönwetterperioden, in denen es nicht geregnet hat! Auch dann ist es hier so feucht, dass die Bewohner mitten im Wald offene Feuer machen können, ohne einen Waldbrand zu befürchten. In Italien ist es im Sommer streng verboten, ein Feuer zu machen. Hier ist das kein Thema.

Zum Schluss noch ein paar visuelle Eindrücke von Sri Lanka. Weitere auf meinem Flickraccount

Strassenszene in Colombo
Cricket ist der Nationalsport hier
Dorfjugend am Strand
Der geschäftige Polizist
Colombo Richtung Norden
Colombos Hauptstrasse

3 Kommentare

  • vielen Dank Hr. Addor. Sehr gerne lese ich Ihre Nachrichten, welche regelmässig / unregelmässig in meinen Briefkasten eintrudeln. Und die Fotos, die sie machen, sind einfach toll ! Viele Grüsse aus der Schweiz …

    • Vielen Dank für diese netten Worte! Ja, ich schreibe unregelmässig, aber immer ab und zu etwas. Im Moment schrieb ich gleich drei kleinere Beiträge, statt einen längeren. Das ist für die Leser auch genehmer.
      Ich wünsche Ihnen einen guten Rutsch in’s 2022 und ein gesundes neues Jahr.

  • Lieber Peter
    Einmal mehr Danke für das hautnahe Bild der Lebensumstände in Sri Lanka!
    Apropos Duschen: in Indonesien hatten sie ein noch effizienteres System. Es nennt sich „Mandi“ und ist eigentlich keine Dusche nach europäischen Gewohnheiten. Ca. die Hälfte des Duschraumes ist durch ein ca. hüfthohes Mäuerchen abgetrennt und mit Wasser gefüllt. Dazu gehört ein Wasserschöpfer aus Plastik, der ca. 1 lt fasst. Damit giesst man sich das Wasser über den Körper, seift sich ein und spült damit am Schluss Shampoo und Seife ab. Wasserbedarf pro Waschvorgang 2 – max. 4 lt.
    Nachteile dieses Systems: man hat vor allem beim Spülen immer eine Hand zuwenig und die Wasserbhälter sind ein idealer Brutort für Larven der Malaria-Moskitos…

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