Was macht ein Pensionierter an einem langen Tag?

Anlässlich meines diesjährigen Aufenthalts auf der Alpennordseite wurde ich auffallend oft gefragt, was ich so den lieben lagen Tag über mache. Seltsam! Wenn einer sagt, er sei „Cell Agent Inbound“ bei der Firma BDG GmbH, dann fragt niemand weiter nach, denn der wird sicher immer viel zu tun haben. Wenn aber einer pensioniert ist, dann denken viele Menschen, dass er sich ja sicher langweilen muss, so einen ganzen Tag, sagen wir gut 16 Stunden lang, ohne Anweisungen eines Chefs zu sein. Dennoch wünschen sich die meisten Menschen die Pensionierung herbei, offenbar ohne zu wissen, was sie dann tun werden. Dabei hat doch jede Person während der z.B. 40 Jahren ihrer Berufstätigkeit eine Menge Fragen gesammelt, denen sie während der Berufsausübung aus Zeitgründen nicht auf den Grund gehen konnte. Der Ruhestand ist exakt dafür da, diese Fragen aufzuarbeiten und zu beantworten!

Flexible Arbeitszeiten

Nun, womit beschäftige ich mich, so ganz ohne Kunden und Chefs im Nacken? Die Antwort ist, dass ich immer noch dasselbe mache, wie die meisten Menschen auch:

  • Schlafen
  • Essen
  • Administration und Kommunikation
  • Haus- und Gartenarbeiten
  • News konsumieren
  • Sport
  • Videos schauen oder ein Buch lesen,
  • etc.

Wenn andere Menschen „arbeiten“ – und das machen sie, zieht man Kommunikation und allgemeine Administration ab, während ungefähr fünf Stunden pro Tag – beschäftige ich mich mit Fotografie, Mathematik, lerne, forsche und schreibe Blogbeiträge und Artikel.

Der einzige Unterschied zwischen den Tätigkeiten einer arbeitenden und einer pensionierten Person ist, dass bei letzterer die Anteile der einzelnen Tasks sehr stark schwanken können: eine pensionierte Person kann es sich leisten, den einen oder anderen Task mal über Tage oder gar Wochen zugunsten eines anderen Tasks zu vernachlässigen. Das ist ja das Grossartige am Ruhestand. Und eines noch: Pensionierte dürfen nach dem Mittagessen einen klitzekleinen Powernap machen, ohne den Wecker zu stellen. Und wenn es dann ausnahmsweise einmal zwei Stunden werden, schimpft auch niemand. Daher habe ich über sieben Stunden Schlaf veranschlagt, wo doch Alte sonst unter seniler Bettflucht leiden!

Das Übliche: Schlafen, Essen und Administration

Zu „Administration“: Steuern, Visa, Tickets, Pass, Organisation, Mails, Kommunikation, Computer-, Cloud- und Blogwartung. Vor allem die letzteren können recht umfangreiche Formen annehmen: Driverprobleme mit verschiedenen Peripheriegeräten, Backupszenarien des WordPress-Blogs, Verteilung der Daten auf die verschiedenen Clouds (OneDrive, Google Drive und Dropbox), Monitoring der Cloudbelegung, Verstehen, wann welche Dateien ausschliesslich in der Cloud und wann lokal gespeichert werden, Backup auf ein lokales Drive, Backup der Fotos im RAW- und JPG- oder doch bloss im JPG-Format, Malwareabwehr und entscheiden, welche Sicherheit auf welchem Gerät angewendet werden soll, Selektion verschiedener Dienstprogramme und Apps, etc.

Beim „Essen“ sind auch Rüst- und Küchenarbeiten dabei. Zwar kocht Barbara hervorragend und auch gerne, aber als Dank für ein gutes Essen mache ich auch schon mal den Abwasch….manchmal. Und meine Morgenfrüchte bereite ich mir selber zu, ebenso das Frühstück. Nein, das ist nicht dasselbe! Dazwischen liegen gut und gerne 1-3 Stunden.

Zu „Haus- und Gartenarbeiten“ gehört auch Einkaufen. Z.B. in Sri Lanka heisst das: Tuk Tuk bestellen, Gebinde bereitsstellen, Fahrt in die Stadt, Konversation mit dem Tuk Tuk Fahrer, bei mehreren Geschäften vorbeigehen und mehrere Kommissionen tätigen, dabei den Tuk Tuk Fahrer anweisen, wo er warten soll, Fahrt zurück, Waren versorgen oder zumindest „auf der Rampe“ bereitstellen zum Einlagern. Ich habe schon mein ganzes Leben über für den Haushalt eingekauft. Nicht, dass Sie jetzt an den Loriot-Film „Papa ante Portas“ denken und meinen, ich würde palettenweise Gurken einkaufen, nur weil diese gerade in Aktion sind.
Die Gartenarbeiten fallen z.B. vermehrt an, wenn wir von Sri Lanka nach Italien zurück kommen. Dort gibt es bedeutend mehr zu tun als in Sri Lanka, weil die Affen fehlen, die die Blumen und Kräuter wegfressen. Ob wir in Italien eine Herde Ziegen zulegen sollten?

Die Hauptbeschäftigungen

„Fotografie“ umfasst das Fotografieren selbst, aber auch Fortobearbeitung, Technik und Programme lernen, Studium der Arbeiten guter Fotografen, Studium der Fortografiekunst, Plattformmanagement und Plattformmarketing. Letzteres kann sehr aufwändig sein! Ich stelle meine Arbeiten auf Instagram, Flickr, Viewbug, 500px, etc. aus.

„Mathematik“ heisst: Literaturstudium, Studium von Begriffen und Theorien, Beweise führen, Übungen machen und Aufgaben lösen, Wissenstransformation und Wissenstransfer, Kommunikation mit Kollegen, etc.

Zum Task „Schreiben“ gehört auch die Beschäftigung mit der Text- und Layoutsprache „TeX“, wobei ich immer wieder Neues lerne, was spass macht.

Es läuft schon gerade etwas, so an einem gewöhnlichen Tag im Leben eines Nichtsnutz!

Aufteilung der 24 Stunden auf verschiedene Tasks

Dieses Tortendiagramm ist natürlich nicht eine programmatische Eins-zu-eins-Einteilung eines Tages. Wie gesagt, fallen mal mehr, mal weniger Gartenarbeiten an. Manchmal lese ich wochenlang keine Belletristik oder schaue keine Filme. Wenn wir auf Reisen sind, besteht der „Sport“ aus mehrstündigen Wanderungen, während die Küchenarbeit zugunsten von Auswärtsessen geringer ist, etc. Die prozentuale Einteilung eines Tages ist als Durchschnitt zu verstehen!

Die Zahlen ausserhalb der Kreisline sind prozentuale Anteile von 24 Stunden. 10 Prozent sind also knappe zweieinhalb Stunden. Somit sind fünf Prozent eine gute Stunde und drei Prozent eine knappe Stunde.

4 Kommentare

  • Lieber Peter
    Vielen Dank für deine Aufzeichnungen. Da gibt es viele Diskussionspunkte, nur schon in der Wahl der Begriffe Arbeitend oder Pensioniert sein! Schon als ehemalige Mutter und Hausfrau nervte mich die Frage „schaffsch no oder bisch ganz dehei“! Ich unterschied dann konsequent zwischen Erwerbs- und Nichterwerbstätigkeit. Naja, jedenfalls mach ich auch mal so ein Kuchendiagramm von meiner Zeit. Herzlichen Dank und beste Grüsse, clodi

  • Interessant Peter. Am Anfang der Pensionierung habe ich mich oft gefragt wo die Zeit denn hin ist. Es sind bei mir einige andere Tätigkeiten dazugekommen wie Tixi etc. Aber was ich heute mache ist das was ich mache eben intensiver mache. Das Frühstück ist eben keine Hetzerei, für den Garten habe ich mehr Zeit usw. Was ich aber intensiver mache ist rumlümmeln. Das habe ich früher als ich arbeitete irgendwie zeitlich reingequetscht. Heute ist das ein Bestandteil meiner Zeit. Rumlümmeln beinhaltet in erster Linie nichts zu tun, mal dasitzen oder liegen und irgendwelche Ideen, Gedanken etc. freien Lauf lassen. Das endet dann irgendwie in einem Projekt wie an einem Oldtimer eine Lösung zu einem technischen Problem zu finden, eine neue Wanderroute usw.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.