Was ist komplex am Bierspiel?

Also, nun zum Bierspiel. Es handelt sich um eine einfache Simulation einer Supply Chain (eine Beschreibung finden Sie z.B. bei Günther Ossimitz in seiner Einleitung). Das Resultat ist, dass die Bestände immer oszillieren und zwar umso mehr, je weiter weg vom Markt man ist. Jeder Mitspieler ist versucht, die Schuld der Langsamkeit des Lieferanten oder dem idiotischen Bestellverhalten des Kunden anzulasten.

Alle meinen rational zu handeln und trotzdem kommt ein Ergebnis heraus, dass keiner wollte. Es sind nicht externe Faktoren, sondern die interne Struktur, die das Systemverhalten bestimmt. In der Praxis – in Projekten, in der Unternehmensführung und (aus aktuellem Anlass) in der Politik – versuchen wir gerne, externen Effekten die Schuld zu geben. Ich habe die ermahnenden Worte der Moderatoren lange nicht verstanden, wenn sie einem mit erhobenem Zeigefinger auf die eigene Schuld aufmerksam machten.

Das eigene Verhalten provoziert die anderen, ihrerseits ein Verhalten an den Tag zu legen, das wiederum mein Verhalten beeinflusst. Ich muss noch agressiver Entscheiden, um nicht „unter die Räder“ zu kommen, so dass die anderen erst recht Gegensteuer geben. Wie Eschers Hände. Man sagt, dass das Verhalten eines jeden Einzelnen zu einer Mode führt, die die Einzelnen „versklavt“. Das ist so eine Redewendung aus der Synergetik von Hermann Haken.

Obwohl es nur vier Teilnehmer sind, kann es im Bierspiel zu einer recht komplexen Struktur kommen, die man Bullwhip-Effekt nennt. Lesen Sie’s bei Ossimitz nach! Obwohl die Bierspiel-Komplexität bloss eine Pseudo-Komplexität ist, sind wir in einem Dilemma. Es gibt nämlich dennoch ein paar Finten. Aber davon später. Der Ausweg aus dem Dilemma heißt: Wir müssen beginnen „systemisch zu denken“.

3 Gedanken zu „Was ist komplex am Bierspiel?“

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