Wasch mir den Pelz, aber mach‘ mich nicht nass

Migrations- und Integrationsprojekte (MIP) sind immer auch Veränderungsprojekte. Jedes System widersteht aber Veränderungen, wie wir schon bei der Bildung der Bénard-Zellen gesehen hatten. Ein grosses Problem bei der Durchführung von MIP ist die Tatsache, dass man ihr Veränderungspotential unterschätzt. Es ist allgemein anerkannt, dass ein Organisationsentwicklungsprojekt selbstreferentiell ist und daher ein grosses Veränderungsmoment entwickelt. Bei MIP denkt man, es gehe „bloss“ um die Integrierung eines technischen Subsystems, also von ein bisschen Blech und paar gespeicherten Daten oder gar „nur“ um die Migration einer bereits im Einsatz stehenden technischen Apparatur. „Störungen“, wie sie durch MIP hervorgerufen werden, können in komplexen Organisationen […]

Von Nichts kommt nichts

Zwar kann durchaus etwas aus dem Nichts entstehen (Energie des Vakuums), aber sicher keine vollständigen Anforderungskataloge. Ich mache mir zuweilen einen Sport daraus, Gesprächspartner, die behaupten, dass sie mit Projekten zu tun haben, nach ihren Erfahrungen zu befragen. Insbesondere bin ich interessiert zu wissen, wie sie mit Problemen umgehen. Kaum einer will wissen, wovon ich spreche. Wenn ich erkläre, dass es doch zu Termin- und Budgetüberziehungen kommen könne, tun sie so, als hätten sie davon zwar schon gehört, aber nie selbst erlebt. Da geht es mir wie mit Autofahrern, die z.B. bei der Rückfahrt nach längeren Feiertagen im Stau stecken […]

Projekterfolg, wem Projekterfolg gebührt

Eine neue Struktur zu bilden und zu integrieren stösst immer auf Widerstände. Das ist die eigentliche Schwierigkeit in Migrations- und Intergationsprojekten. Ein System hat eine gewisse Trägheit gegenüber einer neuen, systemweiten Struktur. Das Neue wird zunächst unterdrückt Abteilungs- oder gar unternehmensübergreifende IT-System- oder Datenmigrationen und -integrationen stellen immer Machtverteilungen zur Disposition. Aber es sind nicht einmal immer direkte Widerstände gegen die zu integrierende Struktur. Es können auch schlecht angepasste Prozesse sein, die irgend eine administrative Angelegenheit verzögern, die für die Integration benötigt würde. In einem aktuellen Projekt musste ich z.B. Telefonkonferenzen organisieren und brauchte dazu eine PIN, die von starren […]

Margenpflege und gemeinsames Schulterklopfen

Eine wichtige Quelle von Projektfehlern ist die Rationalisierung. Wenn es gelingt, Arbeiten zu bündeln oder Abkürzungen zu nehmen, so kann man Aufwand sparen und dadurch die Marge erhöhen. Eine andere Rationalisierungsstrategie ist es, bei verschiedenen Kunden gleiche Projekte parallel durchzuführen. In einer Zeit, in der „Geiz geil ist“ und niemand mehr etwas bezahlen will aber dennoch alle höchste Ansprüche haben, können die Anbieter ihre geschätzten Aufwendungen nicht mehr voll verrechnen, ohne von der Konkurrenz unterboten zu werden. Deshalb ist die Marge schon zu Projektbeginn so klein, dass kaum ein Anreiz für Qualität besteht. Kleine Auslassungen in Dokumentationen werden meistens nicht […]

Wahrnehmungen haben eine endliche Geschwindigkeit

In den letzten paar Wochen habe ich gleich mehrmals die relativ frustrierende Erfahrung machen müssen, dass man Pläne nicht ohne weiteres ändern darf, vor allem, wenn die Änderung nur Details betrifft. Beispielsweise habe ich für einen Verein ein Jahresprogramm zusammen gestellt und dieses kommuniziert. Kurz vor dem Inkrafttreten des Programms habe ich eine kleine Änderung vorgenommen und zweimal mündlich darauf aufmerksam gemacht. Aber nein, mindestens die Hälfte der Mitglieder haben die Änderung nicht zur Kenntnis genommen und stellten sich auf den alten Plan ein, was natürlich konfliktträchtig ist, wenn die beiden Planvarianten kollidieren. Planänderungen müssen mit Pauken und Trompeten kommuniziert […]

Im Himmel ist alles viel einfacher

Kürzlich nahm ich an einer Strategiediskussion einer Gruppe von Mitgliedern einer humanitären Organisation teil. Es ging dabei um die Frage, welche humanitären Aktionen man als nächstes in Angriff nehmen wolle. Nachdem sich unterschwellig ein paar Konflikte abzeichneten, lief die Diskussion darauf hinaus, dass man nur noch Ideen sammelte, wem man Geld spenden will. Anstatt zu überlegen, was man mit den eigenen Kräften tun könnte, begann man aufzuzählen, welche notleidenden Zielgruppen es gibt, die die Hilfe nötig haben. Eine solche Aufzählung ist leider sehr einfach, denn die Not in der Welt ist bekanntlich gross. Am Schluss überlegte sich die Gruppe, wem […]

Reisen Sie in jeder Jahreszeit in eine andere Region!

Kürzlich wurde mir eine wunderbare Aufgabe gestellt. Vier Personen wollen vierteljährlich eine Reise in eine von vier Regionen unternehmen. Jedes Jahr soll jede Region genau einmal besucht werden. Keine Region soll zweimal hintereinander und je in derselben Jahreszeit besucht werden. Abwechslungsweise sollen die vier Personen die Reisen organisieren. Keine Person soll zweimal hintereinander eine Reise organisieren müssen. Darüber hinaus soll jede Person eine Reise in eine Region und in einer Jahreszeit nur einmal organisieren müssen. Es wird schnell klar, dass die Reiserei nach vier Jahren die Bedingungen erschöpft hat. Länger als vier Jahre lassen sich die Bedingungen nicht aufrecht erhalten. […]

Glauben Sie, Vergessen sei bloss eine Charakterfrage?

Am Samstag musste ich, zusammen mit vier weiteren Leitern, gegen 40 Jugendliche aus allen Herren Länder in Empfang nehmen und war verantwortlich, dass alle ihren Flug nach hause antreten konnten. Die einen flogen bereits um 10 Uhr vormittags, andere am Nachmittag, wieder andere erst um 21 Uhr und drei sogar erst am Sonntag früh. Es war also eine projektartige Übung, die eine entsprechende Planung benötigte. Vorgesehen war, dass die Jugendlichen direkt nach Ankunft entsprechend ihren Check-in-Anforderungen in drei Gruppen aufgeteilt werden. Nachdem alle komplett eingecheckt waren, wollte man sich gemäss Plan bei der Gepäckaufbewahrung wieder treffen. Als der Bus jedoch […]

Integration ist Lernen

Kürzlich kaufte ich mir ein Garmin etrex GPS zum Inline Skaten. Die Vision war, dass ich eingeben kann, ich möchte von A nach B und das Gerät würde mich über asphaltierte Fahrrad- und Fussgängerwege lenken. Natürlich wusste ich, dass es so etwas (noch) nicht gibt (warum eigentlich? Technisch wäre das ja einfach realisierbar). Ein Unternehmen muss laufend innovative Angebote auf den Markt bringen. Es kann auch dann zu einem Wettbewerbsvorteil kommen, wenn das Angebot noch nicht ganz den Visionen entspricht oder sogar noch wenig ausgereift ist. Das Unternehmen, das mit einer Idee zuerst auf dem Markt ist, hat meistens die […]

Projekten in den Rachen geschaut

Eines der ersten Projektmodelle veröffentlichte Ed Roberts 19641. In den frühen achtziger Jahren ebnete das Modell von Pugh-Roberts2 den Weg zum berühmten Modell mit dem sogenannten Rework Cycle. Ausgehend von einem Bestand an unerledigter Arbeit, der entsprechend der vorhandenen Produktivität abgearbeitet wird, fliesst ein Teil der erreichten Resultate in einen Bestand an erledigter und abgeschlossener Tasks, während ein anderer Teil Fehler enthält und in einen Bestand undiscovered Rework fliesst. Das sind also solche Tasks, die unbrauchbar sind und später nachgearbeitet werden müssen. „Später“ ist dann, wenn das Projektteam die Fehler wahrgenommen hat. Dann existiert ein Bestand an unerledigter Rework, der […]