Web 2.0 als Basis von Projektmanagement 2.0

Projektmanagement 2.0 ist eben nicht einfach eine neue Version von Projektmanagement. Sonst müssten wir längst bei Version 10 oder höher angekommen sein. Projektmanagement 2.0 bedient sich wesentlich des „Mitmachwebs“ Web 2.0.

Das englischsprachige Wikipedia bringt es m.E. genau auf den Punkt[1]:

Project Management 2.0 (sometimes mistakenly called Social Project Management) is one branch of evolution of project management practices, which was enabled by the emergence of Web 2.0 technologies. Such applications include: blogs,wikis, collaborative software, etc. Because of Web 2.0 technologies, small distributed & virtual teams can work together much more efficiently by utilizing the new-generation, usually low or no-cost Web-based project management tools

Natürlich ist der Einsatz von Web 2.0 im Projektmanagement nicht Selbstzweck. Der amerikanische Ökonom Gary Hamel will die industriellen Managementprinzipien wie Standardisierung, Spezialisierung, Hierarchie, Zielorientierung, Planung und Kontrolle mit ähnlichen Ansätzen überwinden, wie sie im Web 2.0 zu finden sind[2]:

  • Weit verbreitete und kreative Werkzeuge
  • Möglichkeiten zu einfachem und leichtem Experimentieren
  • Versiertheit ist wichtiger als Diplome
  • Engagement ist freiwillig, aber jeder kann sich einbringen
  • Autorität ist fliessend und abhängig vom Mehrwert, den jemand schafft
  • Teams definieren und steuern sich selbst
  • Ideen haben dieselbe Ausgangslage und konkurrenzieren untereinander
  • Entscheidungen werden dort getroffen, wo sie benötigt werden

etc. etc.

Was für das Management schlechthin gilt, gilt ganz speziell auch für das Projektmanagement. Noch immer gibt es Projektmanager, die das Projekt steuern wollen und sich für den Projekterfolg verantwortlich fühlen. Sie bestimmen hierarchisch, was es als nächstes zu tun gibt und wer an was arbeitet. Zielorientierung, Planung und Kontrolle sind nach wie vor wichtige Prinzipien modernen Projektmanagements. „But these principles are impotent to create highly adaptable and resilient organizations“, schreibt Gary Hamel. Wie ich in Was geschieht eigentlich in einem Projekt? gezeigt hatte, ist der Projektfortschritt proportional zum Lernerfolg, den die Projektmitarbeiter (sowohl beim Auftraggeber als auch beim Lieferanten) erzielt haben bei ihrem Versuch, den Projektgegenstand zu verstehen. Das geschieht am besten in einer konzertierten Aktion eines gemeinsamen Diskurs, und dazu eignen sich Wikis, Blogs und andere kollaborative Softwarewerkzeuge, aber auch Simulations- oder Kurationstools, die online zu haben sind.

Der Projektmanager wird zum Moderator, der die Themen der Woche vorgibt und dazu Impulsmaterialien bereitstellt.

Für mich hat das viel zu tun mit einem konnektivistischen MOOC, das ich als „Multi order online Camp“ übersetze. Ob man jetzt den Begriff „MOOC“ dazu verwendet oder einfach nur „Projektmanagement 2.0“ sagt, ist zweitrangig.

[1]http://en.wikipedia.org/wiki/Project_management_2.0

[2]Breen, B. & Hamel, G. THE FUTURE OF MANAGEMENT
Boston: Harvard Business School Press (2007), (pp. 253-254)

[3]Addor, P. Was geschieht eigentlich in einem Projekt? Blog „Komplexitätsmanagement in Unternehmen und Projekten“, Juli 2013.

3 Gedanken zu „Web 2.0 als Basis von Projektmanagement 2.0“

  1. Hallo zusammen,

    der Link Was geschieht eigentlich in einem Projekt? funktioniert nicht. Läuft auf den WordPress Fehler „Not Found“
    „Apologies, but the page you requested could not be found. Perhaps searching will help.“

    MFG

  2. Dass Web 2.0 die Basis der Projektmanagement Software 2.0 ist, ist ja nicht verwunderlich! Heutzutage bedient sich gute Projektmanagement Software an Internet Applications, damit in Real-Time alles abgeglichen werden kann – dementsprechend ist Projektmanagement Software ja auf das Internet und dessen Entwicklung angewiesen!

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