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Ein Schweizer Blog
Mein Name ist Peter Addor. Ich lebe in Italien, Sri Lanka und der Schweiz, wo ich herkomme. Meine Betätigungsfelder sind mathematische Kategorientheorie, System Dynamics und nicht-lineare dynamische Systeme. Daneben mache ich digitale Kunst.

Ist Poppers Traum wirklich in Gefahr?

| Von Peter Addor

Im Zeit-Artikel «Poppers Traum ist in Gefahr» weisen Faigle/Venohr auf die Untersuchung von Gerret von Nordheim hin, der 80.000 Tweets nach dem Münchener Amoklauf ausgewertet hat (1). Er schreibt: «Die Öffentlichkeit spaltet sich immer mehr in isolierte Sphären» und spricht damit den Begriff der Filterblase von Eli Pariser an (2).

Zerrspiegel der Wirklichkeit

Pariser meinte damit den individualisierenden Effekt der Algorithmen von Google. Auch Facebook verwendet solche Algorithmen, um uns Beiträge zu zeigen, von denen Facebook annimmt, dass sie uns interessieren können. Das ist auch eine mächtige Selektion, die soziale Medien zu einem Zerrspiegel der Wirklichkeit werden lassen kann


Kommentare

  • Thomas Mann • 27.10.2016 07:00

    Der Beitrag ist für inspirierend und beängstigend zugleich. Inspirierend, weil mir die Bedeutung der Filterblase (bis hin zur Blase der Nazis in den 30ern) in dieser Tiefe nicht deutlich war.
    Beängstigend, weil ich seit Jahren eine abnehmende Bereitschaft zum Kritischen Denken feststelle. Bereits in den 90zigern war für mich in Schule zu beobachten, das Jugendliche frühzeitige Anpassung an die Erwachsenenwelt suchen. Konsumverhalten hat diese Sehnsucht unterstützt. Im meinem Umfeld erlebe ich heute, dass Kinder in der 4. Klasse ein Smartphone erhalten und keine weitere Anleitung und Hilfe, auch eine gesunde Skepsis zu entwickeln. Daher feiern z. B. Kettenbriefe als Spam-SMS fröhliche Umstände und die Inhalte werden für valider betrachtet, als das, was Erwachsene dazu sagen. Eine neue Irrationalität und Magie sind wieder Gesellschaftsfähig. Paradox. Und ich bin manchmal ratlos.

  • Bernd • 27.10.2016 09:41

    Hallo Peter,

    wir haben eben nur begrenzte Möglichkeiten “die Wirklichkeit” zu erfahren - manche sind ja schon in Ihrer Blase “an der Grenze Ihrer Möglichkeiten”.

    Das, was Du als “kritisches Denken” bezeichnest, würde ich Reflektiertheit nennen….

    Du hast an anderer Stelle die Idee gehabt Komplexität nutzbar zu machen. Diese Idee gefällt mir richtig gut. Errinnert mich an die Idee Elektrizität nutzbar machen zu wollen (in einer Zeit in der die Welt wusste, dass Blitze “gefährlich” und zuckende Froschschenkel “unheimlich” sind =D ).

    Da die Wikipedia-Definition eher auf die eigene Unzulänglichkeit verweisst, bevorzuge ich folgende Definition von Komplexität:

    Wenn das Menschen- / Weltbild das Ergebnis aus Kommunikation ist, dann entspricht Komplexität der TIEFE der Kommunikation.

    Eine solche Definition kann Komplexität vielleicht eher nutzbar machen, weil sie zur logischen Konsequenz führt, tiefer miteinander zu kommunizieren. (Und Oberflächlichkeit evtl. reduziert ;o) ).

    Viele Grüße,
    Bernd

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