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Komplexität ist eine der grossen Herausforderungen unserer Zeit

Doch was ist Komplexität? Was auch immer Sie sich darunter vorstellen, es ist etwas, was wir in erster Linie als unangenehm wahrnehmen. Manchmal verspüren wir fast körperliche Pein, wenn uns Komplexität plagt. Daher versuchen wir zunächst reflexhaft, die Komplexität loszuwerden. Stephanie Borgert schreibt:

Jeder kennt sie, jeder erlebt sie, manche können sie ganz klar benennen, aber keiner will etwas damit zu tun haben

Sie kann Ihnen zwar die Komplexität auch nicht abnehmen, zeigt aber in ihrem neusten Buch Die Irrtümer der Komplexität, wie Sie sich mit ihr versöhnen können (1).

komplexitätKomplexität gab’s schon immer. Aber mit ihr ist es, wie mit der Weltbevölkerung: sie wächst exponentiell und hat in letzter Zeit eine rasante Steigung erreicht. Während wir im 19. und anfangs 20. Jahrhundert noch nicht wirklich darunter litten, macht uns die Komplexität unserer Welt, unserer Wirtschaft und Gesellschaft, in letzter Zeit immer mehr zu schaffen. Zu vieles ist miteinander vernetzt. Die Unterscheidung zwischen Ursachen und Wirkungen löst sich auf. Wenn wir an einer Ursache schrauben erweist sich die Wirkung verzögert als Ursache der Ursache. Unser Kausalitätsdenken gerät ins Schwanken. Zum Glück!

Stefanie Borgert schreibt weiter:

Als Führungskraft und Manager wir von Ihnen erwartet, dass Sie Ihre Zahlen, Perspektiven, Ziele, Risiken, Kennzahlen und Mitarbeiter jederzeit benennen, steuern, kontrollieren und erklären können. Das sollten Sie dann bitte in einfachen Kausalitätszusammenhängen tun

Aber „komplexe Aufgaben und Probleme lösen sich durch Vereinfachung nicht auf“. Lineare Kausalitätsketten (sog. „Laundry-List-Thinking“), Vereinfachungen, Best-Practice-Lösungen und Expertentum sind alles Versuche, Komplexität zu reduzieren. Doch Komplexität lässt sich nicht reduzieren. Komplexe Systeme brauchen komplexe Antworten!

Als Antwort auf die Frage, was angesichts erhöhter Komplexität getan werden kann, beschreibt Borgert internationale Initiativen (nicht „Projekte“!), um nach dem Erdbeben vom 12. Januar 2010 auf Haiti schnell Verschüttete und in Lebensgefahr geratene Menschen zu finden. Die Initiativen waren spontan initiiert, stark miteinander verbunden, obwohl es keine zentrale Steuerung oder Koordination gab, und die einzelnen Gruppen, die sich für diverse Aufgaben zusammenfanden, waren hochspezialisiert. Genauso arbeitet auch unser Gehirn. Das nennt sich Selbstorganisation, ein Phänomen, das Borgert in ihrem Buch immer wieder antrifft und bei Anwesenheit von Komplexität typisch ist.

Nicht Planung, Projektmacherei oder starke, heldenhafte Führung sind Rezepte gegen Komplexität, sondern Diversität, Perspektivenwechsel, Szenariendenken und Augenhöhe.

Stephanie Borgerts Buch ist wohl eines der besten, die es im Moment zum Thema „Komplexität“ gibt.

In diesem Sinne: Bleibe erfolgreich, Stephanie!

(1) Stephanie Borgert. Die Irrtümer der Komplexität – Warum wir ein neues Management brauchen. Gabal Verlag, Offenbach 2015. ISBN 978-3-86936-661-6.